AirLive WMU-6500FS
Autor: Sebastian Eickhoff
Einleitung
Wie man an der steigenden Anzahl von Testberichten – auch in diesem Magazin – beobachten kann, erfreut sich flexibler Speicherplatz im heimischen Netzwerk größter Beliebtheit. Nach der kleinen Hybrid-Lösung mit NDAS-Technik (Akasa Integral LAN-Drive), einer exzellent und passiv gekĂĽhlten sowie sehr schnellen Lösung (Fantec), kommt nun eine umfangreichere Version aus Korea/Japan zu uns. Das Airlive WMU-6500FS wird sich unseren kritischen Blicken und Tests stellen.
Wir bedanken uns bei der Firma AirLive fĂĽr die freundliche UnterstĂĽtzung und Zusammenarbeit.
Lieferumfang:
- AirLive WMU-6500FS
- Aufsteller/StĂĽtze
- Netzteil
- Netzwerkkabel
- WLAN-Antenne
- Laufwerksschrauben
- Bedienungsanleitung
- Installations-CD
Merkmale und Verarbeitung
Das Airlive 6500 kommt in einem schicken Aluminium-Design daher. Das Gehäuse besteht aus einem massiven Aluminiumkorpus, welcher vorn und hinten mit anthrazitfarbenen Kunststoffblenden eingefasst wird. Die Front beherbergt eine ganze Leiste an LEDs, welche die verschiedenen Funktionen und Zustände des NAS-Systems erkennen lassen.
Die RĂĽckseite zieren eine WLAN-Antenne, ein 100mBit LAN-Anschluss, 2 USB-AnschlĂĽsse, der Power-/Reset-Knopf sowie der Stromanschluss des externen Netzteils.
Im Innern des Systems hält der Rahmen für die Festplattenmontage auch die Platine, welche Anschlüsse und das Embedded-System beherbergt. Festplattenrahmen und Platine sind fest mit der Front verschraubt.
Die Verarbeitung bewegt sich auf einem durchweg guten/hohen Niveau. Keine scharfen Kanten oder Passungenauigkeiten machen hier dem Käufer das Leben unnötig schwer. Kein Bauteil knartschte, wackelte oder zeigte anderweitige Mängel.
Funktionsumfang
Der Funktionsumfang ist wohl das größte Plus unseres heutigen Testkandidaten. Obwohl es sich hier – rein äuĂźerlich – ‘lediglich’ um eine externe Festplatte handeln könnte, bringt dieses kleine Paket weit mehr auf die Waage. Das Airlive 6500 verfĂĽgt ĂĽber einen FTP-Server, einen Samba-Server, einen Download-Client fĂĽr verschiedene Formate (ftp, http, bittorrent), die Funktionalität eines WLAN-AccessPoints, einen iTunes-Server, einen UPnP AV-Media-Server, eine BackUp-Funktion, sowie verschiedene Tools zum Verwalten des Speicherplatzes und der Zugriffsberechtigungen.
Ein wenig erfahreneren Usern mag beim Anblick der technischen Daten und des Funktionsumfangs schon der Gedanke an ein Linux gekommen sein, welches all die Features bereitstellt – hier liegt eine weitere Stärke des Airlive 6500. Nicht nur, dass es in der Tat ein Linux ist, welches dort seinen Dienst fristet, es ist zudem auf der Homepage von Airlive völlig frei zugänglich, inklusive der meisten benötigten Konfigurationsdateien. Soweit es also der Speicher zulässt, kann dieses System von Kundigen(!) durchaus in eigenem ermessen verändert und/oder erweitert werden.
Als Speichermedien kommen SATA- wie auch PATA-Festplatten in Frage – sonst ausgediente PATA-Platten können also hier zunächst ein neues Heim finden.
Montage
Die Montage gibt keinem Rätsel auf – auch ohne Handbuch. Es werden zwei Schrauben an der RĂĽckseite gelöst, der Schlitten herausgezogen und schon kann die Festplatte montiert und wieder verstaut werden. Was sich so einfach anhört und auch so einfach scheint, hat jedoch seine TĂĽcken. Der SATA-Anschluss ist nicht der standfesteste und so geschieht es nur all zu schnell, dass man die Festplatte angeschlossen glaubt, sich das Airlive jedoch mit einem ‘Disc not found’ meldet. Hier ist also auf jeden Fall FingerspitzengefĂĽhl und Sorgfalt bei der Montage gefordert! Ist das System mit dem auserwählten Speicher bestĂĽckt, wird das Gehäuse nur noch in den Sockel/Aufsteller gelegt. Dieser ist leider nicht gepolstert oder anderweitig bearbeitet, sodass bei häufigerem Bewegen schnell Kratzer und dunkle Kunststoffspuren am Aluminium zurĂĽckbleiben.
Praxistest und Bedienung
FĂĽr den Praxistest stellte sich eine Seagate 7200.10 mit 11er Technik als passender Partner heraus. Die Platte bietet mit 250Gb ausreichend Platz und ist mit einer Magnetscheibe auch angenehm leise. Ein leichtes Surren lässt sich vernehmen – mehr nicht. Hier trägt das ‘rohe’ Aluminiumgehäuse leider nicht viel zur Geräuschminderung bei.
Das Airlive steuert sich komplett über ein Webinterface. Kaum am heimischen Netzwerk angeschlossen, meldet es sich am (meist vorhandenen) DHCP-Server an und wartet auf die Einrichtung. Es können sowohl neue Platten formatiert, als auch schon bestehende Partitionen erkannt und eingelesen werden (soweit sie ein unterstütztes Dateiformat verwenden). Das Webinterface bietet dem User recht umfangreiche Möglichkeiten, das System auf den eigenen Verwendungszweck zuzuschneiden. Die Bezeichnungen geben keine Rätsel auf, sodass WLAN, Download-Assistent, MediaServer und Co. auch von Ungeübten schnell konfiguriert werden können.
Wir hatten es Anfangs nicht leicht mit dem AirLive: das System wies an verschiedenen Punkten Instabilitäten auf und einige Funktionen waren noch nicht zur Gänze implementiert. Nach einem kurzen FirmwareUpdate meldet sich das Multitalent jedoch mit neuer Stärke zurück. Hier und da fallen einige Änderungen ins Auge (wie z.B. die erweiterten Konfigurationsmöglichkeiten des MedienServers) und auch von den Instabilitäten ist nicht mehr viel zu sehen.
Sind die Funktionen auch vollständig gegeben und das Userinterface gut gelungen, so musste unser Kandidat doch im anschlieĂźenden Performance-Test einige Federn lassen. FĂĽr den Zugriff auf die Dateien stehen FTP und Samba als ĂĽbliche Vertreter zur Wahl. FTP: lesen/schreiben ca.5,5/4,0 Mb/s. Samba lesen/schreiben: ca.4,5/4,0 Mb/s. Es fällt sofort ins Auge, dass die Bandbreite eines 100MBit-Netzwerks hier nicht ausgeschöpft wird. Mag die Geschwindigkeit im einzelnen nicht so schnell erscheinen, so muss man dem AirLive zu Gute halten, dass sie immer zur VerfĂĽgung steht – auch bei gleichzeitigen 5-10 Downloads aus dem Torrent-Netz und der Erstellung der Datenbank durch den MedienServer-Dämon. Diese Tatsache verdient unsere Anerkennung – zumal die Arbeit auf nur einen Risc-Chip zurĂĽckfällt.
Nach den ‘inneren Werten’ kommen wir noch zu den AnschlĂĽssen. Ăśber die beiden USB2.0-Ports lieĂźen sich problemlos weitere Speichermedien anschlieĂźen und bequem fĂĽr Backups nutzen. Das WLAN musste, wie auch der 100mBit-Anschluss, ein paar Federn lassen in Sachen ‘Performance’. Die kleine Antenne ist eindeutig etwas zu schwach auf der Brust. FĂĽr das Nötigste, bzw. fĂĽr Zwecke mit niedriger Bandbreite mag es ausreichen – entfernt man sich jedoch ein StĂĽck weit, treten schnell EinbuĂźen in Signalqualität und Transferraten auf.
Zu guter letzt sind auch die Verbrauchswerte eines solchen Systems interessant. Hier schlägt sich unser Kandidat sehr gut: Abgeschaltet (1.4W), BootUp (~25W), Idle-Zustand mit laufender Festplatte (~11W), Last-Zustand mit mehreren Diensten (~14-15W).
Das Airlive WMU-6500FS ist schon eine ‘tolle Kiste’. Sie stellt viele Funktionen fĂĽr den Alltag bereit (ĂĽber einen Router auch mit externem Zugriff). Derart viele Funktionen auf einem kleinen Embedded-System schlagen natĂĽrlich auf die Geschwindigkeit. Wer also auf Leistung abzielt und alles möglichst schnell braucht ist hier fehl am Platze. Doch diesen Anspruch hat diese Lösung auch garnicht.
Vielmehr hat uns das AirLive mit seinen reichhaltigen wie sinnvollen Funktionen ĂĽberzeugt – es kann einen kompletten PC ersetzen, spart somit Strom, und ist auch noch leise dazu. Mit leichten EinbuĂźen durch die Montage (SATA-Anschluss) und die Startschwierigkeiten (FirmWare) verleihen wir dem AirLive WMU-6500FS einen SilverAward!
Info zum Beitrag
geschrieben am Freitag, den 22. Februar 2008 um 15:58 Uhr
Kategorie(n): Festplatten & Zubehör
Tags: AirLive, NAS, WMU-6500FS




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