GMC R-3 Corona
Autor: Hartmut Massny
Einleitung
Nachdem wir die heizenden AMD-XP- und Intel-Prescott-Prozessoren hinter uns gelassen haben, das Silencen also durch sparsamere Komponenten immer leichter geworden ist, brauchen Systeme nicht mehr in großen, schweren Gehäusen schlummern.
Kleinere und leichtere Gehäuse werden immer gefragter. Das GMC R-3 Corona ist ein Vertreter dieser Kategorie. Ob dieses Gehäuse aber nicht nur klein, sondern auch leise ist, wollen wir mit diesem Test klären.
An diesem Punkt möchten wir uns ganz herzlich bei GMC für den freundlichen Kontakt und die Bereitstellung des GMC R-3 Corona bedanken. Das Gehäuse soll für ca. 40,-€ auf den Markt kommen.
Das Corona kommt in einem eher unauffälligeren braunen Karton. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern spart sicher auch den ein oder anderen Euro im Verkaufspreis.
Technische Daten
- Typ: Miditower
- Mainboard: ATX µATX
- Laufwerke: 1x 5.25″ extern, 2x 3.5″ intern
- Material: Stahlblech
- Lüfteröffnungen: 3x 80mm (2x Rückseite, 1x Boden)
- 7 Steckplätze für Erweiterungskarten
- Frontanschlüsse: 2x USB 2.0, Audio
- Abmessungen: 420 x 170 x 350 mm (HxBxT)
- Gewicht: 3,5 kg
Der Lieferumfang ist nicht so reichlich wie bei den teuren Gehäusen und die Schrauben sind abgezählt, trotzdem sollte es für einen Zusammenbau des Systems reichen.
Lieferumfang
- 1x 80mm Lüfter (SDF-8025L12S)
- Bebilderte Bedienungsanleitung
- abgezähltes Befestigungsmaterial
- 1 Slotblende
Das Erste, was einem ins Auge sticht, ist die spiegelnde Front. Bei Monitoren mit spiegelnder Front hat sich hier der Begriff Schminkspiegel durchgesetzt. Das GMC Corona kann da sehr gut mithalten.
Erst auf den zweiten Blick erkennt man, wie gering die Ausmaße des Corona sind. Von der Seite betrachtet, kann man schon vermuten, woher wohl die geringe Tiefe stammt. Die obere Hälfte der Kunststofffront steht hervor. Hier unter verbirgt sich das optische Laufwerk. Das Besondere daran ist, dass es vertikal eingebaut wird und nach unten aufgeht. Im unteren Bereich der Front befinden sich unter dem Powerschalter die Frontanschlüsse.
Die linke Seitenwand bietet ein 80mm großes Loch mit Duct über der CPU und ein rechteckiges über der Grafikkarte. Die rechte Seite ist mit einem 80mm-Loch vor dem Platz des Netzteils versehen.
Im Heck findet man, neben Luftlöchern neben den Erweiterungssteckplätzen, Platz für zwei 80mm-Lüfter. Dies ist nicht mehr wirklich Zeitgemäß. Doch bei einer so geringen Breite war dies nicht anders zu erwarten.
Am Boden finden wir denn zwei Überraschungen vor. Eine positive und eine negative. Die negative zuerst: Das Gehäuse steht auf harten Kunststofffüßen die ungehindert alle Vibrationen des Systems an den Boden weitergeben. Der positive Aspekt heißt Bodenloch. Denn dieses befindet sich in 80mm-Lüftergröße direkt mittig im Boden.
Nach dem Entfernen von zwei interessanten Rändelschrauben (das Gewinde besteht aus Metall, der Kopf aus Kunststoff), ist die einzige Seitentür entfernt. Diese kann zusätzlich mit einem Schloss gesichert werden.
Im Inneren erwarten uns keinerlei Überraschungen. Die Festplatte wird, genauso platzsparend wie das optische Laufwerk, vertikal eingebaut.
Die Front lässt sich mit einem Ruck entfernen. Und schon haben wir alle Teile demontiert, die nicht genietet sind.
Wie bei einem Gehäuse dieser Preisklasse nicht anders zu erwarten, ist die Verarbeitung im Innenraum nicht hunderprozentig. Man sollte also beim Einbau darauf achten, dass man sich an Kanten oder Graten nicht schneidet.
Beim zweiten Fotografieren und dem damit einhergehenden Entstauben des Gehäuses, fielen sofort ganz feine Kratzer in der Front auf. Und dies, obwohl ein Mikrofasertuch verwandt wurde. Es ist wie eine Zeitreise zu den iPod-Modellen mit Kunststofffront. Auch diese waren für ihre Kratzempfindlichkeit bekannt.
Noch unschöner sind die rausbrechbaren Slotblenden. Diese können nach dem Ausbau nicht mehr eingesetzt werden. Die einzig mitgelieferte Slotblende reicht bei weitem nicht aus.
Der Einbau gestaltet sich sehr einfach, ein Netzteil mit entsprechend kurzen Kabeln vorausgesetzt. So lassen sich sogar alle Kabel anstandslos verlegen, unnötige Kabel finden hinter der Front Platz.
Zu unserem Erstaunen fand der Scythe Ninja ohne Probleme Platz. Man sieht zwar, dass nicht mehr viel Platz bleibt, aber die Seitentür ging anstandslos zu.
Zum Einbau der Festplatte, muss deren Käfig durch Lösen von zwei Schrauben entfernt werden. Festplatte einschrauben, Käfig einschrauben und fertig. So einfach diese Konstruktion auch ist, so unpraktisch ist sie für Silencer. Hier gibt sie ihre Vibrationen ungehindert an die Umgebung ab. Zusätzlich sitzt sie an einem Totpunkt des Luftstroms. Nur seitlich kann ein wenig Luft einströmen. Wie sich dies auf die Temperaturen auswirkt, werden wir auf den nächsten Seiten lesen.
Mit ein wenig Bastelverständnis lässt sich dieses Manko aber ausgleichen. Mittig über dem Bodenloch mit Entkopplern positioniert, sollte sie äußerst kühl und leise bleiben.
Das optische Laufwerk wird in die dafür vorgesehenen Löcher geschraubt und sitzt sofort gut.
Nach dem anschließenden Schließen der Front und dem Starten des Rechners, erwartet uns der Namensgeber des Gehäuses. Eine blaue Corona erstrahlt an der Front. Im Powerschalter sind zusätzlich Power- und Festplatten-LED in blau bzw. rot eingebaut. Dies alles leuchtet keineswegs aufdringlich und wirkt sehr stimmig.
Der Mechanismus zum Öffnen und Schließen des optischen Laufwerks funktioniert einwandfrei. Ein Druck, eigentlich eher ein Schieben des Knopfes nach unten öffnet und schließt das Laufwerk. Das Einlegen der Disk ist ungewohnt, funktioniert aber genau so wie bei einem horizontal eingebauten Laufwerk. Es empfiehlt sich aber das Gehäuse auf dem Tisch zu positionieren, da man sich zum Einlegen einer Disk sonst sehr weit nach unten Bücken muss.
Um die Gehäusetests zumindest in einem Punkt untereinander vergleichbarer zu machen, haben wir uns entschieden, jedes Gehäuse mit einer vergleichbaren Konfiguration zu bestücken und Temperaturwerte zu ermitteln.
Testsytem
- Prozessor:
AMD Athlon 64 3700+ (SanDiego: 2200MHz, 1024KB Cache, 89W TDP) - Prozessorkühler:
Scythe Ninja (passiv)
oder
Arctic Cooling Silencer Ultra 64 (mit Papst 8412NGML) - Mainboard:
MSI K8NGM2-FID (µATX, nVidia Chipsatz (430/6150), passiv) - Arbeitsspeicher:
A-DATA Vitesta DDR500 2×512MB (2.5-4-4-7 1T) - Grafikkarte:
Gigabyte GeForce 7600GT (256MB GDDR3, 45W TDP) - Grafikkartenkühler:
beQuiet Polar Freezer (passiv) - Festplatte:
Samsung Spinpoint SP1213C (120GB, 7200U/min) - Optisches Laufwerk:
Toshiba DVD-RW (DL) SD-R5472 - Netzteil:
Enermax EG365AX (350W, Umbau auf 120mm-Lüfter, Veränderung der Kabel)
oder
Jou Jye SGP-350AUBA (350W, Wechsel des Lüfters, Veränderung der Kabel) - Netzteillüfter:
120mm YateLoon (D12SL-12, 750U/min bei 5V) - Gehäuselüfter:
120mm Scythe Slip Stream (SY1225SL12M, 700U/min bei 5V)
oder
80mm Papst (8412NGML, 1000/min bei 5V)
Der Testaufbau ist in jedem System gleich. Es werden ausschließlich zwei Lüfter mit einer festen Spannung von 5V betrieben. Keine weiteren (einblasenden) Lüfter werden verwendet. Jede Hardwarekomponente ist mit ausreichend dimensionierten Passivkühlkörpern versehen.
Je nach Größe des Gehäuses werden zwei verschiedene Netzteil verwendet. Diese unterscheiden sich aber nur in den inneren Werten, denn sie sind beide mit identischen YateLoon-Lüftern ausgestattet. Wie eingangs erwähnt, arbeiten diese mit einer Betriebsspannung von 5V. Sie unterscheiden sich nur in der Kabellänge, damit für jeden Gehäusetyp die gleichen Bedingungen bezüglich des Luftstroms gelten.
Als ausblasender Gehäuselüfter werden, je nach vorhandenen Möglichkeiten des Gehäuses, ein 80mm- oder 120mm-Lüfter verwendet. Als 120mm-Lüfter kommt der Scythe Slip Stream, als 80mm-Lüfter ein Papst zum Einsatz.
Der Testablauf sieht die parallele Belastung des Systems mit Prime2004 (Prozessor) und rthdribl (Grafikkarte) vor. Dies geschieht so lange, bis keine der gemessenen Temperaturen mehr steigen. Diese Temperaturen gelten als Last-Temperaturen. Eine halbe Stunde nach dem Belastungstest werden die Idle-Temperaturen ermittelt.
Temperatursensoren
- Prozessor:
Core via RMClock - Grafikkarte:
via GPU-Z - Festplatte:
via S.M.A.R.T. (SpeedFan) - Netzteil:
Abluft via Senfu
Nach diesem Standardtests werden noch, je nach Belüftungsmöglichkeiten des Gehäuses, andere interessante Testszenarien durchgespielt und eventuell mitgelieferte Lüfter und Entkopplungsmöglichkeiten für Festplatten subjektiv beurteilt.
Danksagung
Besonderen Dank wollen wir an dieser Stelle Scythe aussprechen, die uns für unser Testsystem den Scythe Ninja Plus (Rev. B) zur Verfügung stellen.
Das zweite Gehäuse in unseren Gehäusecharts positioniert sich, je nach Sichtweise, auf den zweiten oder letzten Platz.
Gehäusecharts: Volllast
| Gehäuse | CPU | Grafik | HDD | NT | Raum |
|---|---|---|---|---|---|
| Lancool K1 | 36K | 41K | 11K | 10K | 22°C |
| Lian Li PC-P60 Armorsuit | 36K | 48K | 13K | 20K | 22°C |
| SilverStone Temjin TJ10 | 38K | 54K | 8K | 12K | 25°C |
| Nexus Voltinia | 39K | 48K | 12K | 17K | 25°C |
| Cooler Master HAF 932 | 46K | 55K | 18K | 12K | 21°C |
| GMC R-3 Corona | 62K | 62K | 22K | 13K | 23°C |
Man entdeckt hier doch einen gewaltigen Unterschied zum Lian Li. Dies hat verschiedene Ursachen. Zunächst ist natürlich die Entlüftung mit einem leisen 80mm-Lüfter weder zeitgemäß, noch effektiv. Diese Lüfter werden erst bei Drehzahlen wirkungsvoll, die kein Freund von leisen Computern ertragen könnte.
Die hohe Festplattentemperatur ist dem Totpunkt des Luftstroms geschuldet, in dem sie sitzt.
Das dritte, entscheidende Kriterium ist die Positionierung der Lüftungslöcher. Die einströmende Luft kommt überall und nirgendwo ins Gehäuse. Aber eben nicht wirklich durchdacht. Wenige, dafür intelligenter positionierte Löcher würden dem Luftstrom gut tun.
Gehäusecharts: Leerlauf
| Gehäuse | CPU | Grafik | HDD | NT | Raum |
|---|---|---|---|---|---|
| Lancool K1 | 5K | 24K | 11K | 9K | 22°C |
| Lian Li PC-P60 Armorsuit | 4K | 24K | 13K | 16K | 22°C |
| SilverStone Temjin TJ10 | 4K | 28K | 10K | 12K | 25°C |
| Nexus Voltinia | 6K | 24K | 12K | 13K | 25°C |
| Cooler Master HAF 932 | 8K | 37K | 15K | 9K | 25°C |
| GMC R-3 Corona | 15K | 30K | 22K | 11K | 23°C |
Fast jede Komponente konnte während der Abkühlungsphase runterkühlen. Zwar nicht so starkt wie beim Lian Li, aber die Temperaturen sind im grünen Bereich. Nur die Festplattentemperatur sank nicht wirklich. Auch hier zeigt sich, dass sie keinerlei Frischluft abbekommt.
Temperaturbewertungen |
|
|---|---|
| Lancool K1 |
147
|
| Silverstone Temjin TJ10 |
166
|
| Nexus Voltinia |
171
|
| Lian Li PC-P60 Armorsuit |
174
|
| Cooler Master HAF 932 |
200
|
| GMC R-3 Corona |
237
|
| Summe der Δ-T-Werte (Vollast/Leerlauf) aller Komponenten - weniger ist besser | |
Die relativ schlechten Temperaturen zeigen sich im weit abgeschlagenen Gesamtergebnis am Ende des Testfeldes.
Zusätzliche Testergebnisse
| Gehäuse | CPU | Grafik | HDD | NT | Raum |
|---|---|---|---|---|---|
| Zwei Gehäuselüfter (Last) | 78°C | 79°C | 45°C | 34°C | 23°C |
| Zwei Gehäuselüfter (Idle) | 34°C | 53°C | 45°C | 31°C | 23°C |
| Lüfter am Ninja (Last) | 70°C | 72°C | 45°C | 37°C | 23°C |
| Lüfter am Ninja (Idle) | 32°C | 50°C | 45°C | 32°C | 23°C |
Als zusätzliche Testszenarien haben wir uns folgendes ausgesucht: Zunächst wurde die Entlüftung mit zwei 80mm-Lüftern auf 5V bewerkstelligt und abschließend den Betrieb ohne Gehäuselüfter, dafür aber mit dem Scythe-Lüfter direkt am Ninja.
Ein zusätzlicher Gehäuselüfter bringt nur sehr wenig bezüglich der Temperaturen. Der Scythe-Lüfter am Ninja senkt zwar die Temperaturen des Prozessors, das Netzteil ist jetzt aber fast allein für die Entlüftung des Gehäuses zuständig und wird dementsprechend wärmer.
Lüfter
Der mitgelieferte Lüfter ist leider nur mit einem Netzteilstecker versehen. So kann er weder mit einer handelsüblichen Lüftersteuerung, noch mit dem Mainboard geregelt werden. Und das Betriebsgeräusch auf 12V ist nicht geeignet für einen Leisen PC.
Das GMC R-3 Corona mag abschließend nicht ganz gefallen. Zwar überzeugt die Größe, die innovative Montage des optischen Laufwerks und die Gestaltung der Front. Doch die Materialanmutung und der Lieferumfang sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Dies haben wir in dieser Preisklasse auch schon besser gesehen.
Wer aber auf der Suche nach einem schicken, kleinen Gehäuse ist, das auch Fullsize-Mainboards einen Platz bietet, der kann mit ein wenig Bastelaufwand (Entkopplung der Festplatte) sicher glücklich werden.
Positiv
- Innovatives Design
- Einbauort des optischen Laufwerks
- Geringe Ausmaße
- Geringes Gewicht
- Preis
Negativ
- Verarbeitungsqualität
- Lieferumfang
- Herausbrechbare Slotblenden
- Geringe Erweiterbarkeit (max. 1 optisches Laufwerk, 2 Festplatten)
- Materialanmutung/Kratzempfinglichkeit der Front
Diskussionsthread in unserem Forum
Herstellerwebseite
Info zum Beitrag
geschrieben am Samstag, den 14. Juni 2008 um 10:55 Uhr
Kategorie(n): Gehäuse
Tags: 80mm Lüfter, Corona, GMC




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