Lancool K1
Autor: Hartmut Massny
Einleitung
Wenn man sich ein System zusammenstellt, dann kann man sich in verschiedenen Kategorien für sein Gehäuse orientieren. Für Leute, die sich nicht mit hell leuchtenden, auffälligen Rechnern identifizieren können, war Lian Li immer die erste Adresse, wenn es um schlichte aber hochwertige Gehäuse ging. Leider wurden diese Eigenschaften im Wortsinn erkauft.
Nun hat Lian Li reagiert und verkauft unter dem Markennamen Lancool günstigere Gehäuse. Ob das Lancool K1 den gleichen Qualitätsansprüchen wie ein Lian Li genügt und was der Unterschied zu dessen großen Brüdern ist, wollen wir in diesem Test klären.
An diesem Punkt möchten wir uns ganz herzlich bei Caseking für den freundlichen Kontakt und die Bereitstellung des Lancool K1 bedanken. Das Gehäuse ist ab sofort bei Caseking für 79,90€ erhältlich.
Die Verpackung ist zumindest aus genauso hochwertigem und hochglänzendem Karton gefertigt, wie auch bei Lian Li. Nur anstatt des Schaumstoffs wurde Styropor zum passgenauen Verpacken im Karton verwandt.
Technische Daten
- Typ: Miditower
- Mainboard: ATX, µATX
- Laufwerke: 5x 5,25″ (extern), 1x 3,5″ (extern in 5,25-Schacht), 4x 3,5″ (intern)
- Material: Stahlblech (SECC), Aluminium
- Lüfteröffnungen: 1x 140mm oder 120mm (Front), 1x 120mm (Heck)
- 7 Steckplätze für Erweiterungskarten
- Frontanschlüsse: 2x USB 2.0, 1x Firewire, 2x Audio (HD/AC97)
- Abmessungen: 450 x 210 x 490 mm (HxBxT)
- Gewicht: 7,2 kg
Der Lieferumfang beinhaltet alles, was zu einem vollständigen Gehäuse gehört. Die durch Bilder gut verständliche Anleitung und das vollständig mit Lüftern ausgestattete Gehäuse machen in diesem Punkt einen guten Eindruck.
Lieferumfang
- 1x 140mm-Lüfter (Lian Li Ll1425L12SA), 1x 120mm-Lüfter (Lian Li Ll121225SE-4)
- 1x Lüfteradapter (3-Pin auf Netzteilstecker)
- reichlich Befestgungsmaterial
- Werkzeug zum einschrauben der Mainboardabstandhalter
- Speaker
- viersprachige (Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch), sehr gut bebilderte Bedienungsanleitung
- 3,5″-Blende/Schacht
Um das Lancool in voller Pracht zu genießen, muss es zunächst aus der dicken blauen Folie geschält werden.
Was uns nach dem Auspacken erwartet, kann bis auf das Logo kaum von einem Lian Li unterschieden werden. Gebürstetes Aluminium in gewohnter Lian-Li-Qualität lässt das Gehäuse edel erscheinen.
Die Front beherbergt im oberen Bereich neben den Laufwerksschächten nur sehr unauffällig die Power- und Festplatten-LED. Unten erkennt man den Lufteinlass des Fronlüfters und das unauffällige Lancool-Logo.
Im vorderen Bereich des Deckels befinden sich neben den Power- und Resetschaltern auch das Frontpanel. Hier ist das einfache Panel des Herstellers verbaut, welches leider ohne eSata auskommt.
Die Seiten wirken ebenso edel wie schlicht. Keine Lufteinlässe stören hier das Bild.
Die Rückseite lässt schon erahnen, wo die Sparmaßnahmen liegen, dazu aber später mehr. Auf jeden Fall erkennen wir hier auch die derzeitige Lian-Li-Handschrift, die fast unverändert seit dem PC7 in den meisten Gehäusen des taiwanesischen Herstellers. Es gibt nur einen gravierenden Unterschied: Das Netzteil wird nicht mit einem Rahmen in das Gehäuse geschoben und verbaut, es wird von innen direkt mit dem Gehäuse verschraubt. Und dies auch nur einer Position. Ein Drehen des Netzteils ist so nicht möglich.
Zwischen Netzteil und Gehäuselüfter befinden sich zwei herausbrechbare Löcher für eventuelle Wasserkühlungssschläuche. Der Lüfterplatz verzichtet auf ein herausnehmbares Lüftergitter. Dies ist aber auch nicht unbedingt notwendig, da das gestanzte Gitter sehr grobmaschig, also luftdurchlässig wirkt.
An der Unterseite des Gehäuses befinden sich leider wieder nur einfache Kunststofffüße. Diese können das Gehäuse nicht vom Boden entkoppeln. Zum Betreiben auf Parkett sollte der geneigte Käufer über einen Austausch der Füße nachdenken.
Nach dem Herausschrauben von jeweils zwei Thumbscrews können die beiden Seitenwände problemlos entfernt werden.
Jetzt sticht schon der gravierendste Unterschied zu einem Lian Li ins Auge. Zwar ist die Außenhaut aus dem bekannten gebürsteten Aluminium von Lian Li, das Innere aber ist aus gewöhnlichen Stahlblech. Dies ist keine schlechte Idee zum Kostensparen. Denn wie oft guckt man wirklich in das Gehäuse? Auch sind alle Kanten gefalzt, die Verletzungsgefahr also minimiert.
Der Innenraum ähnelt auch dem eines Lian-Li-Gehäuses. Der Mainboardträger ist genauso herausnehmbar, wie es bei dem getesteten Amorsuit der Fall ist. Auch auf der Mainboardträgerrückseite befinden sich, neben den Kabledurchführungen, Klemmen zum optimalen und unsichtbaren Verlegen der Kabel.
Es gibt aber auch ein paar Unterschiede. So ist die Befestigung der oberen beiden optischen Laufwerke ganz auf die schraubenlose Montage ausgerichtet. Genauso sieht es auch mit den Festplatten aus. Vor dem Festplattenkäfig befindet sich ein 140mm-Lüfter, der mit einem einfachen Staubfilter ausgestattet ist.
Im Netzteileck des Gehäuses befindet sich ein Blech, dessen Funktion sich uns nicht erschließt. Es sperrt das Netzteil ein. Im unteren Bereich sind zwar Löcher vorhanden, aber so problemlos strömen wie ohne ein solches Blech kann die Luft hier nicht. Der einzig sinnvolle Grund für dieses Blech könnte der Beitrag zur Gehäusestabilität sein. Als Ergänzung zu unseren Standardtests haben wir dieses Blech bei einem weiteren Testlauf entfernt. Anschließend machen wir einen Vergleichstest zu dem Betrieb mit Blech.
Die Front kann, wie bei Lian Li üblich, relativ einfach abgenommen werden und offenbart den Staubfilter vor dem einblasenden Gehäuselüfter. Dieser ist gesteckt, kann also auch ohne Lüfter benutzt und sehr leicht gereinigt werden.
Der Einbau des Systems erwies sich als sehr unkompliziert. Der herausnehmbare Mainboardträger macht die Arbeit sehr leicht.
Die Kabelführungen auf der Rückseite erweisen sich, genau wie im Lian Li Armorsuit, als sehr praktisch. Genau wie die Kabeldurchführungen. So bleibt das Kabelchaos im Inneren des Gehäuses aus, was ich unter Umständen positiv auf den Luftdurchsatz auswirkt.
Die Festplatten lassen sich extrem leicht einbauen. Vier spezielle Schrauben müssen mit Gummischeiben ausgestattet und in die Festplatte eingeschraubt werden. Anschließend kann die Festplatte von rechts, also der Seite des Mainboardträgers, eingeschoben werden.
Der Einbau des Netzteils ist als unproblematisch anzusehen. Für Entkoppler des Netzteillüfters oder evtl. verwendete Lüftergitter ist innerhalb des Netzteilkäfigs genug Platz.
Die oberen beiden optischen Laufwerke werden noch leichter eingebaut. Hierzu muss nur die entsprechende 5,25″-Blende entfernt und das Laufwerk eingeschoben werden. Die Laschen rasten mit ein wenig Druck ein und befestigen das Laufwerk zuverlässig. Als kleines Manko darf angesehen werden, dass diese Befestigung nicht durchgängig benutzt wurde. Doch wer baut heutzutage noch mehr als zwei optische Laufwerke ein? Auch würde eine solche Lasche der Montage von zusätzlichen Festplattenhalterungen, wie sie auch von Lian Li angeboten werden, im Weg stehen.
Um die Gehäusetests zumindest in einem Punkt untereinander vergleichbarer zu machen, haben wir uns entschieden, jedes Gehäuse mit einer vergleichbaren Konfiguration zu bestücken und Temperaturwerte zu ermitteln.
Testsytem
- Prozessor:
AMD Athlon 64 3700+ (SanDiego: 2200MHz, 1024KB Cache, 89W TDP) - Prozessorkühler:
Scythe Ninja (passiv)
oder
Arctic Cooling Silencer Ultra 64 (mit Papst 8412NGML) - Mainboard:
MSI K8NGM2-FID (µATX, nVidia Chipsatz (430/6150), passiv) - Arbeitsspeicher:
A-DATA Vitesta DDR500 2×512MB (2.5-4-4-7 1T) - Grafikkarte:
Gigabyte GeForce 7600GT (256MB GDDR3, 45W TDP) - Grafikkartenkühler:
beQuiet Polar Freezer (passiv) - Festplatte:
Samsung Spinpoint SP1213C (120GB, 7200U/min) - Optisches Laufwerk:
Toshiba DVD-RW (DL) SD-R5472 - Netzteil:
Enermax EG365AX (350W, Umbau auf 120mm-Lüfter, Veränderung der Kabel)
oder
Jou Jye SGP-350AUBA (350W, Wechsel des Lüfters, Veränderung der Kabel) - Netzteillüfter:
120mm YateLoon (D12SL-12, 750U/min bei 5V) - Gehäuselüfter:
120mm Scythe Slip Stream (SY1225SL12M, 700U/min bei 5V)
oder
80mm Papst (8412NGML, 1000/min bei 5V)
Der Testaufbau ist in jedem System gleich. Es werden ausschließlich zwei Lüfter mit einer festen Spannung von 5V betrieben. Keine weiteren (einblasenden) Lüfter werden verwendet. Jede Hardwarekomponente ist mit ausreichend dimensionierten Passivkühlkörpern versehen.
Je nach Größe des Gehäuses werden zwei verschiedene Netzteil verwendet. Diese unterscheiden sich aber nur in den inneren Werten, denn sie sind beide mit identischen YateLoon-Lüftern ausgestattet. Wie eingangs erwähnt, arbeiten diese mit einer Betriebsspannung von 5V. Sie unterscheiden sich nur in der Kabellänge, damit für jeden Gehäusetyp die gleichen Bedingungen bezüglich des Luftstroms gelten.
Als ausblasender Gehäuselüfter werden, je nach vorhandenen Möglichkeiten des Gehäuses, ein 80mm- oder 120mm-Lüfter verwendet. Als 120mm-Lüfter kommt der Scythe Slip Stream, als 80mm-Lüfter ein Papst zum Einsatz.
Der Testablauf sieht die parallele Belastung des Systems mit Prime2004 (Prozessor) und rthdribl (Grafikkarte) vor. Dies geschieht so lange, bis keine der gemessenen Temperaturen mehr steigen. Diese Temperaturen gelten als Last-Temperaturen. Eine halbe Stunde nach dem Belastungstest werden die Idle-Temperaturen ermittelt.
Temperatursensoren
- Prozessor:
Core via RMClock - Grafikkarte:
via GPU-Z - Festplatte:
via S.M.A.R.T. (SpeedFan) - Netzteil:
Abluft via Senfu
Nach diesem Standardtests werden noch, je nach Belüftungsmöglichkeiten des Gehäuses, andere interessante Testszenarien durchgespielt und eventuell mitgelieferte Lüfter und Entkopplungsmöglichkeiten für Festplatten subjektiv beurteilt.
Danksagung
Besonderen Dank wollen wir an dieser Stelle Scythe aussprechen, die uns für unser Testsystem den Scythe Ninja Plus (Rev. B) zur Verfügung stellen.
Wer hätte das gedacht? Das Lancool hängt das komplette Feld ab.
Gehäusecharts: Volllast
| Gehäuse | CPU | Grafik | HDD | NT | Raum |
|---|---|---|---|---|---|
| Lancool K1 | 36K | 41K | 11K | 10K | 22°C |
| Lian Li PC-P60 Armorsuit | 36K | 48K | 13K | 20K | 22°C |
| SilverStone Temjin TJ10 | 38K | 54K | 8K | 12K | 25°C |
| Nexus Voltinia | 39K | 48K | 12K | 17K | 25°C |
| Cooler Master HAF 932 | 46K | 55K | 18K | 12K | 21°C |
| GMC R-3 Corona | 62K | 62K | 22K | 13K | 23°C |
Da das Amorsuit relativ baugleich mit dem K1 ist, lässt dies nur eine Schlussfolgerung zu: Eine zu offene Front und unkontrollierte Lufteinlässe wirken in einem Silentsystem störend.
Gehäusecharts: Leerlauf
| Gehäuse | CPU | Grafik | HDD | NT | Raum |
|---|---|---|---|---|---|
| Lancool K1 | 5K | 24K | 11K | 9K | 22°C |
| Lian Li PC-P60 Armorsuit | 4K | 24K | 13K | 16K | 22°C |
| SilverStone Temjin TJ10 | 4K | 28K | 10K | 12K | 25°C |
| Nexus Voltinia | 6K | 24K | 12K | 13K | 25°C |
| Cooler Master HAF 932 | 8K | 37K | 15K | 9K | 25°C |
| GMC R-3 Corona | 15K | 30K | 22K | 11K | 23°C |
Auch hier setzt sich das Lancool an die Spitze der Charts.
Temperaturbewertungen |
|
|---|---|
| Lancool K1 |
147
|
| Silverstone Temjin TJ10 |
166
|
| Nexus Voltinia |
171
|
| Lian Li PC-P60 Armorsuit |
174
|
| Cooler Master HAF 932 |
200
|
| GMC R-3 Corona |
237
|
| Summe der Δ-T-Werte (Vollast/Leerlauf) aller Komponenten - weniger ist besser | |
Die Tabellenspitze in den Gehäusecharts ist dem Lancool K1 bezüglich der Temperaturwerte sicher.
Zusätzliche Testergebnisse
| Gehäuse | CPU | Grafik | HDD | NT | Raum |
|---|---|---|---|---|---|
| Einblasender Lüfter (Last) | 37K | 42K | 9K | 10K | 22°C |
| Einblasender Lüfter (Idle) | 6K | 22K | 9K | 9K | 22°C |
| Entfernter Netzteilkäfig (Last) | 33K | 39K | 11K | 9K | 22°C |
| Entfernter Netzteilkäfig (Idle) | 5K | 21K | 11K | 8K | 22°C |
Natürlich steigt die Kühlleistung mit dem zusätzlich einblasenden Gehäuselüfter bei den Festplatten an. Doch dies erkauft man sich mit schlechteren Prozessor und Grafikkartentemperaturen.
Das eigentlich Überraschende ist aber die enorme Steigerung der Kühlleistung mit ausgebauten Netzteilblech. Warum dieses bei den Gehäusen eingebaut ist, weiß niemand.
Lüfter
Die mitgelieferten Lüfter sind wirklich sehr gut und hinterlassen einen extrem positiven Eindruck, auch für Silencer.
Der im Heck montierte 120mm-Lüfter rotiert bei 12V mit 850U/min und verrichtet seinen Dienst nebengeräuschfrei. Nur ein leichtes Motorgeräusch ist wahrzunehmen. Mit 5V dreht er nur noch auf 420U/min und ist kaum noch wahrzunehmen. Nur direkter Ohrenkontakt mit der Narbe lässt einen das Motorgeräusch hören.
Für den Frontlüfter sieht das ganze sogar noch besser aus. Er verrichtet seinen Dienst bei 12V mit 750U/min und ist hierbei noch leiser als sein “kleineres” Pendant. Mit 5V betrieben dreht er ebenfalls mit nur 420U/min. Dies geschieht aber zusätzlich ohne das leichte Motorgeräusch, somit ist er wirklich nicht mehr wahrzunehmen.
Festplattenentkopplung
Wie auch schon beim Amorsuit beschrieben, ist der Schritt, eine Entkopplung mitzuliefern, begrüßenswert, die Wirkung dieser hält sich aber in Grenzen. Doch im Gegensatz zum eben genannten Lian Li lässt sich im Lancool der Festplattenkäfig mit fünf Schrauben sehr leicht entfernen.
Dieses Gehäuse hat nichts anderes verdient als den Gold-Award. Es führt die aktuellen Gehäusecharts an und kostet nur einen Bruchteil der anderen getesteten Gehäuse. Ein positiveres Fazit kann es nicht geben. Und wer dem Basteln nicht abgeneigt ist, der kann aus diesem sehr guten Gehäuse ein Perfektes machen. Er muss nur das Netzteilblech und den Festplattenkäfig entfernen, eine Festplattendämmbox entkoppelt am Boden montieren und ist wunschlos glücklich.
Positiv
- Verarbeitungsqualität
- Mitgelieferte Lüfter (Vollausstattung mit sehr guten Lüftern)
- Entkopplung der Festplatten
- Frontanschlüsse auf der Oberseite
- Geschlossene Seitenteile
- Laufwerksmontage (sowohl 3,5″, als auch 5,25″)
- Reltaiv geringer Preis
Negativ
- Festplattenentkopplung nicht optimal
- Gehäusefüße
- Unnötiger Netzteilkäfig
Diskussionsthread in unserem Forum
Herstellerwebseite
Info zum Beitrag
geschrieben am Mittwoch, den 25. Februar 2009 um 09:42 Uhr
Kategorie(n): Gehäuse, featured
Tags: 120mm Lüfter, 140mm Lüfter, Festplattenentkopplung, Gehäuse, K1, Lancool, Testbericht




Loading...











